Wer nur ist ein echter Marxist ?

So kann man sich fragen. Ist es Einer von uns der Marx verstanden hat? Nur was hat wer von Marx verstanden und wenn dann wie? Ich für meinen Teil gehe davon aus, dass es den Marxisten genauso wenig gibt wie den Marxismus.

Marx selbst war in Abgrenzung von der Interpretation seiner Grundideen durch Vertreter in der französischen Arbeiterbewegung zu der Formulierung gekommen, dass er wenn deren Sicht Marxismus sei er dann kein Marxist wäre. Warum dieser weite Bogen? Im Artikel von Paul Pikus wird auf zwei Texte von Marx und Engels Bezug genommen. Zum einen auf die Ökonomisch-philosophischen Manuskripte von Marx  (ohne genaue Seitenangabe) und auf die Kritik des sozialdemokratischen Programmentwurfs 1891 von Engels. Für mich sind die Schlüsse des Autors nicht nachvollziehbar. Bei dem Zitat aus den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten geht es um die Marxsche Sicht auf den rohen Kommunismus seiner Zeit und nicht um die Warnung vor einem ineffizienten ökonomische Aufbaus. Bei Engels wird der einschränkende Abschluss "in demokratischen Republiken wie Frankreich und Amerika, in Monarchien wie England.." ausgelassen.

Für das Deutschland von damals hielt Engels solche Forderungen für falsch. So lese ich
die gesamte Kritik von Engels. Auch bei der Interpretation der Klassiker sollte man vorsichtig in seinen Urteilen sein. Jeder der sich als Marxist versteht, ist auch immer ein Verarbeiter und Versteher der überlieferten Texte von Marx und Engels. Schon von Marx und Engels selbst wurden frühere eigene Auffassungen revidiert. Die Liste derer die sich als Fortsetzer des Werkes von Marx und Engels verstanden haben ist lang, von Kautsky und Bernstein, Lenin und Luxemburg bis Trotzki und- und- und. Mir leuchtet die Idee vom pluralen Marxismus von W. F. Haug noch am meisten ein.

Worüber wäre zu streiten?

  • Was ist das Bleibende von Marx?
  • Wo war er seiner Zeit behaftet?
  • Wo hat er sich geirrt ohne es selbst noch korrigiert zu haben?

Eine Debatte unter dem Motto "Marx und wir LINKE" hat das heute einen Sinn?

PS: Bei den Quellen zu Marx und Engels gibt es Flüchtigkeitsfehler.
Im Bd. 22 ist der Titel "Zur Kritik des sozialdemokratischen Programmentwurfes 1891.
Bei der Quelle aus den Ökonomisch-philosophische Manuskripten hätte auch auf den Band 40 von Marx/Engels Werke erschienen 1985 verwiesen werden können. Das Zitat steht dort auf Seite 535 und da spricht Marx immer von Gemeinschaft, nicht von Gesellschaft. Das Beste ist man trifft sich und tauscht sich über Alles aus, was man bei Marx und Engels so gefunden hat. Wen soll der "Vorwurf treffen" auch die Anmerkungen zum Erfurter Programm der SPD waren frei verkäuflich" in der DDR? Ich hätte sie nie kaufen können, weil es  nicht die Anmerkungen zum Erfurter Programm der SPD waren.
Es waren die "Anmerkungen" aus dem Text von Engels mit dem Titel "Zur  Kritik des sozialdemokratischen Programmentwurfes von 1891".

Wolfgang Preller