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Verkehrswende jetzt!

Interview mit Fritz Viertel, dem Landesvorsitzenden des VCD Brandenburg.

 

Lieber Fritz, du bist Vorsitzender des VCD Brandenburg. Was ist der VCD?

Der Verkehrsclub Deutschland, kurz VCD, wurde einst als ökologische Alternative zum ADAC gegründet. Bis heute kann man bei uns sein Auto oder Fahrrad versichern oder eine Pannenhilfe in Anspruch nehmen. Vor allen Dingen sind wir jedoch eine Organisation, die sich politisch für eine Verkehrswende einsetzt – weg vom Auto, hin zu Bahn, Bus, Fahrrad und den eigenen Füßen.

Ökologisch heißt, dass euch die Arbeitsbedingung der Busfahrer*innen im Zweifel egal sind?

Unser Leitspruch lautet „Mobilität für Menschen“. Das ist keine Einbahnstraße. Die ökologische Verkehrswende wird nur gelingen, wenn sie auch sozial ist. Die oft kommunalen Verkehrsunternehmen und ihre Beschäftigten sind für uns unverzichtbare Partner. Weniger Autoverkehr ist nur mit mehr Angebot bei Bussen und (Straßen-) Bahnen zu erreichen. Die muss jemand fahren. Wenn die Löhne für das Fahrpersonal in Brandenburg bundesweites Schlusslicht bleiben, wird das nicht gelingen.

Der VCD ist Mitinitiator der Volksinitiative „Verkehrswende in Brandenburg jetzt“. Was sind die wichtigsten Forderungen der Volksinitiative?

Der Anteil der Wege, die wir in Brandenburg mit Bahnen, Bussen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen, muss sich bis 2035 auf rund 80 Prozent verdoppeln. Bis 2050 muss der Verkehr hierzulande klimaneutral sein. Die Voraussetzung für diese Verkehrswende ist, dass es überall im Land echte Alternativen zum Auto gibt. Wir brauchen also deutlich mehr Bus- und Bahnverbindungen, mehr und bessere Radwege sowie mehr Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrerinnen. Wir fordern, dass der Landtag ein Mobilitätsgesetz verabschiedet, in dem diese Ziele verankert und konkrete Maßnahmen festgeschrieben werden.

Warum sollten Linke aus deiner Sicht die Volksinitiative besonders unterstützen?

Mobilität darf in Zukunft nicht mehr vom Besitz eines eigenen Autos abhängig sein. Denn das schadet dem Klima und damit uns Menschen und ist obendrein sozial ungerecht, weil sich ärmere Menschen viel seltener einen Pkw leisten können. Sie sind aber von Lärm, Luftverschmutzung und den negativen Folgen der Klimaveränderungen viel mehr betroffen bzw. können sich nicht davon „freikaufen“. Ein sozial-ökologischer Umbau unserer Gesellschaft, wie DIE LINKE ihn anstrebt, wird ohne Verkehrswende nicht gelingen. Außerdem steht DIE LINKE für Erhalt und Ausbau der öffentlichen Grundversorgung ein. Mobilität zählt dazu. Zur Verkehrswende gehört darüber hinaus die Verkehrsvermeidung. Und die gelingt nur mit kurzen Wegen zur Arbeit, zum Einkauf, zum Arzt – bei denen ein Auto überflüssig ist, weil man bequem zu Fuß gehen oder das Fahrrad nehmen kann. Gerade auch auf dem Land, wo die soziale Infrastruktur immer weiter ausgedünnt wird und so immer längere Wege entstehen.

Wie kann man euch konkret unterstützen?

Wir haben etwas mehr als die Hälfte der nötigen 20.000 Unterschriften für die Volksinitiative zusammen und nur noch ein paar Monate Zeit für den Rest. Wir merken, dass viele Menschen unsere Forderungen unterstützen, doch wir kommen mit dem Unterschriftensammeln kaum hinterher. Dabei brauchen wir dringend Hilfe! Die Listen kann man auf unserer Webseite selbst ausdrucken oder sich kostenfrei von uns zuschicken lassen.

Mehr Informationen sowie Kontakte und Materialien finden sich unter www.verkehrswende-brandenburg.de.

 

Fritz Viertel ist Landesvorsitzender des VCD Brandenburg. Das Interview führte Martin Günther, stellvertretender Landesvorsitzender DIE LINKE. Brandenburg.

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