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IV. Gute Entwicklungschancen für alle Kinder und Jugendlichen sichern

Potsdam erfreut sich eines großen Zuzugs junger Familien, die Geburtenzahlen steigen Jahr für Jahr. Der quantitative und qualitative Ausbau aller Angebote in den Bereichen Kinderbetreuung sowie Bildung und Freizeit für Kinder, Jugendliche und Familien ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben für die kommenden Jahre.

Bildung ist ein grundlegendes Menschenrecht und Voraussetzung dafür, dass sich Menschen selbstbestimmt entwickeln und erfolgreich an der Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse teilhaben können. Bildung gehört in die öffentliche Hand. Sie muss Chancengleichheit gewährleisten, Auslese verhindern und demokratische Gestaltung ermöglichen.

Jedes 5. Kind in Potsdam lebt in Armut. Oft geht damit die Einschränkung von Teilhabemöglichkeiten und Bildungschancen einher. Kein Kind darf zurückgelassen werden! Kinderarmut zu bekämpfen und allen Kindern und Jugendlichen gleiche Lebenschancen zu ermöglichen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der auch die Kommune ihren Beitrag leisten muss.

In Potsdam leben Menschen unterschiedlichster Nationen, Religionen und Überzeugungen zusammen. Für uns ist es selbstverständlich, dass die Einrichtungen, Projekte und Angebote der Jugendhilfe diese kulturelle Vielfalt als Bereicherung erlebbar machen und das Miteinander der verschiedenen Kulturen aktiv fördern.

Chancengleichheit für alle schaffen

DIE LINKE versteht Teilhabe in einem umfassenden Sinn - nicht nur als Integration von Menschen mit körperlichen, geistigen oder emotional-sozialen Einschränkungen. Die enorme Differenzierung der Einkommen in der Stadt führt zu sozialer Spaltung und unterschiedlichen Teilhabechancen. Der Kampf gegen Kinderarmut muss zu einer zentralen Aufgabe von Politik und Verwaltung werden. Gemeinsam müssen Präventionsangebote gestärkt und alle Möglichkeiten genutzt werden, betroffene Kinder und ihre Familien zu unterstützen.

Deshalb setzt sich DIE LINKE dafür ein, dass:

  • die Regionalteams des Jugendamtes in den Stadtteilen zu einem umfassenden Beratungs- und Unterstützungsangebot ausgebaut werden, in dem alle familienbezogenen städtischen Leistungen abgerufen und zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten beraten und vermittelt werden kann.
  • die Stadt ein Online-Portal schafft, in dem alle Angebote von Schule, Jugend- und Familienhilfe in Verantwortung der jeweiligen Träger dargestellt werden und ein Informationsaustausch zwischen Trägern und Interessent*innen ermöglicht wird.
  • das Angebot eines kostenlosen Frühstücks ohne Nachweis der Bedürftigkeit und mit sozialpädagogischer Begleitung zügig auf alle Potsdamer Grundschulen ausgeweitet wird.
  • sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche nicht nur in den Grundschulen, sondern in allen Schulen und Kitas ein kostenfreies Mittagessen erhalten können.
  • der ÖPNV für alle Potsdamer Schüler*innen kostenfrei ist.
  • die Stadt Schulanfänger*innen aus Familien mit geringem Einkommen mit einem Zuschuss zur Finanzierung der Erstausstattung unterstützt.
  • Potsdamer Schulen zur Bewerbung um eine Schulkrankenschwester im Rahmen des Landesprogramms ermutigt und bei der Umsetzung unterstützt werden.
  • die Verfügbarkeit einer Babyklappe in Potsdam durchgängig sichergestellt wird.
  • das System der Familienhebammen mit städtischen Mitteln gestärkt wird.
  • die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf entsprechend ihren Bedürfnissen und Wünschen gleichmäßig über alle Schulformen und Einrichtungen erfolgt. Inklusion kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie für alle Potsdamer*innen im Alltag erlebbar wird.
  • die Anstrengungen für eine zielgenaue und effektive Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund in allen Bildungsphasen verstärkt werden.
  • die Stadt im Bereich der Willkommens- und Integrationsklassen verstärkt mit dem "Teachers-Welcome"-Programm der Universität Potsdam kooperiert.
  • Weiterbildungsangebote vorgehalten werden, um das pädagogische Personal für den "inklusiven" Alltag fit zu machen.

Die soziale Infrastruktur sichern und bedarfsgerecht ausbauen

Potsdam hat in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen bei der Sanierung und im Neu- und Ausbau von Schulen und Kitas unternommen. Noch schneller als das Angebot wächst allerdings der Bedarf. Die Entwicklung der sozialen Infrastruktur muss deshalb bei der Planung der weiteren Stadtentwicklung Vorrang vor anderen Nutzungen erhalten.

DIE LINKE fordert deshalb:

  • die Umsetzung einer integrierten, gemeinsamen Planung für Kitas, Horte, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen in einer Verwaltungseinheit und unter kontinuierlicher Beteiligung der Stadtverordneten.
  • die Berücksichtigung von Vorhalte- und Reserveflächen bei der Planung neuer Quartiere (z. B. in Krampnitz).
  • die Berücksichtigung aller Anforderungen der baulichen Barrierefreiheit bei Neubauten und Sanierungen.
  • die Erfassung aller kommunalen Gebäude und Flächen, einschließlich derer von städtischen Gesellschaften und deren Töchtern, in einem zentralen Kataster. Dieses soll die gegenwärtige Nutzung und mögliche Entwicklungsperspektiven enthalten und fortlaufend aktualisiert werden.
  • den Verzicht auf den Verkauf der genannten Flächen.

Kitas in Potsdam - wohnortnah, gut betreut und auch kommunal

Die Verfügbarkeit eines Kitaplatzes ist für viele junge Familien eine Existenzfrage. Zwar hat Potsdam insgesamt eine hohe Betreuungsquote - längst aber sind die Betreuungsplätze nicht in allen Stadt- und Ortsteilen ausreichend und zeitnah verfügbar.

DIE LINKE fordert deshalb:

  • eine strategische Planung und Einrichtung wohnortnaher Kita-Plätze entsprechend der tatsächlichen Bedarfe. Hierbei soll auch eine Reserve vorgesehen werden.
  • eine Unterstützung des Systems der Tagesmütter und -väter als alternatives frühkindliches Betreuungsangebot mit familiärem Charakter durch eine aktive Förderung der Vernetzung und eine auskömmliche Finanzierung der Angebote.
  • die direkte Übernahme kommunaler Verantwortung durch die Bildung eines kommunalen Eigenbetriebs Kita und die Betreibung neuer Einrichtungen in allen Stadtteilen.
  • die Vorhaltung kurzfristig aktivierbarer Betreuungsreserven für Notfälle.

Kitas sollen einen qualitativ hochwertigen Beitrag zur frühkindlichen Bildung leisten. Dieser Beitrag hat wesentlichen Einfluss auf die späteren Entwicklungschancen unserer Kinder. Dafür benötigen unsere Kitas ausreichende Ressourcen.

DIE LINKE setzt sich deshalb dafür ein, dass:

  • die vom Jugendhilfeausschuss beschlossenen Kita-Qualitätsstandards in allen Einrichtungen umgesetzt und in der Kita-Finanzierungsrichtlinie berücksichtigt werden.
  • in allen Einrichtungen der Qualitätsstandard der "Deutschen Gesellschaft für Ernährung" für die Verpflegung in Kitas eingehalten wird.
  • in allen Kitas ein kostenloses Frühstück entsprechend der gesetzlichen Grundlagen gewährleistet wird.
  • im Zuge der dringend erforderlichen Fachkräftegewinnung Kitaträger besonders gefördert werden, die Erzieher*innen in ihren Einrichtungen auch über den eigenen Bedarf hinaus ausbilden.
  • das Land Brandenburg aufgefordert wird, längere Betreuungszeiten durch die Einführung einer zusätzlichen Stundenstufe bei der Personalbemessung zu berücksichtigen.

DIE LINKE setzt sich auf allen Ebenen für eine kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule ein. Dies ist für uns ein wesentlicher Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit.

Als Schritte auf dem Weg zu einer völligen Gebührenfreiheit für Kitas sehen wir:

  • eine sozial gerechte Gestaltung der Elternbeiträge auf Basis der tatsächlichen Familieneinkommen durch Umstellung der Berechnungsgrundlage von Brutto- auf Nettoeinkommen.
  • den Einsatz gegenüber der Landesregierung für eine kontinuierliche Ausweitung der Beitragsfreistellung auf alle Kita-Jahre und den Hort.

Potsdams Schulen - Begegnungs-, Lern- und Lebensort

Potsdam hat eine dynamisch wachsende und attraktive Schullandschaft mit vielfältigen Angeboten. Sie wird in den kommenden Jahren weiter stark anwachsen. Dabei müssen alle Bedarfe abgedeckt, aber auch die sich wandelnden Anforderungen an pädagogische Inhalte und Bildungsqualität berücksichtigt werden.

Mit dem intensiven Ausbau der sehr gefragten Gesamtschulangebote ist in den letzten Jahren maßgeblich auf Drängen der LINKEN endlich eine lange klaffende Angebotslücke geschlossen worden. Diesen Kurs werden wir fortsetzen.

DIE LINKE bleibt dabei: Bildung ist eine öffentliche Aufgabe und zentral für die Sicherung von Chancengleichheit und Teilhabegerechtigkeit. Deshalb muss auch künftig für jedes Potsdamer Kind ein wohnortnahes, öffentliches Schulangebot zur Verfügung stehen.

DIE LINKE setzt sich deshalb dafür ein, dass:

  • beim weiteren Ausbau der Schullandschaft Schulzentren favorisiert werden, in denen gemeinsames Lernen von Klasse 1-13 ermöglicht wird und alle Abschlüsse in einer integrierten Schulform erworben werden können.
  • Planung und Bau neuer Schulen an modernen pädagogischen Anforderungen und Raumbedarfen orientiert werden und flexible Nutzungen ermöglichen.
  • die Erwachsenenbildung, insbesondere das Angebot im Bereich der Studiengänge des zweiten Bildungsweges, zu stärken.
  • bei der künftigen Schulentwicklungsplanung ausreichende Reserven für zusätzliche Aufwüchse berücksichtigt werden. Dafür soll in der Grundschule mit Klassenstärken von maximal 25, in der Sekundarstufe I und II mit maximal 27 Schüler*innen geplant werden.
  • die IT-Ausstattung der Schulen entsprechend aktueller Anforderungen standardisiert und diese Standards regelmäßig fortgeschrieben werden. Dazu zählt die Ausstattung aller Schulen mit einem Breitbandanschluss und WLAN sowie eine fachkundige technische Betreuung aller Schulen mit ausreichenden personellen Ressourcen, die eine schnelle Unterstützung bei Problemen sicherstellt.

Schulen erfüllen Aufgaben, die weit über die reine Wissensvermittlung hinausgehen. Sie dafür auszustatten, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und sie bei der Erfüllung dieser Aufgaben zu unterstützen, ist städtische Verantwortung.

DIE LINKE wird sich deshalb dafür einsetzen:

  • insbesondere neu zu bauende Schulen als Stadtteilzentren zu begreifen und auszugestalten.
  • Grundschulen und Hortträger zu ermutigen, im Rahmen des Modells der verlässlichen Halbtagsschule noch enger zu kooperieren und sie dabei zu begleiten.
  • Hortkapazitäten so auszubauen, dass auch Betreuungsbedarfe in den Klassen 5 und 6 abgedeckt werden können.
  • Hortangebote für 10-16-Jährige mit besonderem Förderbedarf auszubauen sowie materiell und personell ausreichend auszustatten.
  • auch bestehenden Grundschulstandorten mittelfristig jeweils nur einen Hort zuzuordnen.
  • eine reguläre Doppelnutzung von Räumen durch Schule und Hort möglichst auszuschließen.
  • Einrichtungen, die Leistungen im Rahmen der Inklusion erbringen, mit zusätzlichen und vor allem entsprechend qualifizierten personellen Ressourcen auszustatten.
  • Schulsozialarbeit an allen Schulstandorten zu etablieren und flächendeckende schulpsychologische Beratungsangebote auf- und auszubauen.
  • Berufsorientierung mit externen lokalen Kooperationspartnern aus Wirtschaft, kommunalen Unternehmen und Wissenschaft an allen weiterführenden Schulen zu fördern. Dabei sollen auch Projekte für die Berufsorientierung geflüchteter Jugendlicher gefördert werden.
  • die Schulreinigung zu rekommunalisieren, um einheitliche Arbeits- und Qualitätsstandards gewährleisten zu können.
  • die fortlaufende Umsetzung des Schulwegsicherheitskonzeptes durch eine auskömmliche Finanzierung sicherzustellen und dessen Fortschreibung zu gewährleisten.

Jugendarbeit - vielfältig, offen und in allen Stadtteilen

Die Sicherung vielfältiger und wohnortnaher Angebote der Jugendhilfe ist ein zentrales Anliegen der LINKEN. Ein besonderer Schwerpunkt bleibt noch immer die Schaffung und der Ausbau von bedarfsgerechten Angeboten im Potsdamer Norden und in den ländlichen Ortsteilen der Landeshauptstadt.

Neben organisierten und betreuten Angeboten wie dem klassischen Jugendclub müssen vor allem öffentliche Spiel- und Freizeitflächen wie Skater-Anlagen, Grill-, Bolz- und Spielplätze erhalten und erheblich ausgebaut werden. Bei der Planung neuer Wohngebiete und Stadtteile müssen derartige Freiräume für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von Beginn an mitgedacht und potenzielle Nachbarschaftskonflikte von vornherein ausgeschlossen werden.

DIE LINKE wird sich deshalb insbesondere dafür einsetzen, dass:

  • die Angebote der offenen Jugendarbeit in den Jugendfreizeiteinrichtungen bedarfsgerecht ausgebaut und eine Versorgungsquote entwickelt wird, die den weiteren Ausbau mit dem Wachstum der Stadt sicherstellt.
  • die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei allen sie betreffenden Vorhaben von der Spielplatzplanung bis zur Entwicklung der Angebotslandschaft sichergestellt wird und ihr Wille eine hohe Verbindlichkeit für die Entscheidungsfindung hat. Dazu sollen die verlässlichen Kooperationen mit dem Stadtjugendring und dem Kinder- und Jugendbüro fortgeführt werden.
  • Kinder und Jugendliche darin unterstützt werden, eigene Formen und Inhalte der Artikulation politischer Forderungen zu entwickeln. Hierfür müssen Kinder– und Jugend(frei)räume erhalten und ausgebaut werden.
  • das Budget für den Erhalt und den Ausbau öffentlicher Spielplätze deutlich erhöht wird.
  • die Biosphäre als Tropenhalle erhalten und in Kooperation mit weiteren Potsdamer Einrichtungen wie Schulen, dem Institut für Klimafolgenforschung bzw. der Universität zu einem Umweltbildungszentrum weiterentwickelt wird.
  • die vorhandenen Sport-, Spiel-, Freizeit- und Bildungsmöglichkeiten im Volkspark dauerhaft erhalten werden.

Jugendlichen einen guten Start ins Leben ermöglichen

Junge Menschen starten ihren Weg in die Welt der Erwachsenen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, Vorstellungen und Bedürfnissen. Ihre Interessen wahr- und ernst zu nehmen und die notwendigen Freiräume für die Verwirklichung unterschiedlicher Lebensentwürfe zu schaffen, ist Aufgabe der Politik.

DIE LINKE will deshalb:

  • unterschiedliche Modelle preiswerten Wohnens für junge Familien, Auszubildende und Studierende in allen Stadt- und Ortsteilen fördern.
  • alternative Wohn- und Kulturprojekte langfristig verlässlich unterstützen.
  • die Vielfalt der selbstverwalteten soziokulturellen Angebote in der Stadt, z. B. freiLand, Archiv, Rechenzentrum und La Datscha, langfristig erhalten und unter Berücksichtigung der Interessen der Nutzenden weiter ausbauen.
  • den Umfang und die Qualität der Angebote der akzeptierenden Suchtberatung sichern.

Ein besonderes Augenmerk legen wir auf die weitere Qualifizierung der präventiven Arbeit im Kinder- und Jugendschutz. Wir wollen eine Kultur des Hinschauens etablieren, in der die zuständigen Stellen präventiv und helfend eingreifen und nicht erst, wenn “das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“. Die Umsetzung des Kinderschutzplans der Landeshauptstadt wollen wir beschleunigen. Im Jugendamt sollen zusätzliche Ressourcen für die direkte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erschlossen werden. Dies erfordert eine deutliche Reduzierung der Fallzahlen bei den Fallbetreuer*innen durch die Festlegung maximaler Fallzahlen und eine entsprechende personelle Aufstockung in diesem Arbeitsfeld.